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Kräuter: Räuchern und essen

Wildpflanzen helfen gegen viele Beschwerden. Sonja Hahn erklärte bei einer Wanderung in Regenstauf, worauf man achten muss.
von Kristin Winderl

„Die große Heilerin am Wegesrand“: Sonja Hahn (rechts) erzählt über die Brennnessel. Foto: Winderl

REGENSTAUF.Traditionell werden zu Maria Himmelfahrt Kräuterbuschen geweiht. Da kam die Kräuterwanderung von Heilpraktikerin Sonja Hahn am vergangenen Freitag gerade noch rechtzeitig, um vorher noch das wichtigste über Kräuter, Wildpflanzen und das Sammeln und Räuchern derselben zu lernen. Um 16 Uhr begann die etwa dreistündige Wanderung für Sonja Hahn und ihre acht Teilnehmer vom Regenstaufer Gesundheitszentrum aus in Richtung Wald. Und schon zum Einsammeln an sich gibt es vieles, auf das Kräuterliebhaber achten müssen, wie Hahn erklärte. „Zum Kräutersammeln sollte es trocken sein“, sagte Hahn. Am besten sollte es mindestens 24 Stunden lang nicht geregnet haben – sonst besteht die Gefahr, dass die Kräuter beim Trocknen schimmeln.

Niemals alles abernten


Brombeeren: Die Beeren haben auch in der Mythologie einen Platz. Böse Geister sollen sich in den Dornen verfangen und bei Tagesanbruch sterben. Die Blätter und Früchte der Pflanze stärken das Bindegewebe und sind gegen Blutgefäßverengung.  Foto: Winderl

Auch das Trocknen will übrigens gelernt sein: Das sollte sanft vor sich gehen, an einem luftigen und kühlen Ort zum Beispiel. Auf keinen Fall sollten Kräuter direkt in die Sonne oder in den Ofen gelegt werden. Sammler sollten außerdem nur solche Pflanzen mitnehmen, die gesund sind, also keine braunen Flecken oder angefressenen Blätter haben. Eine ungesunde Pflanze kann nämlich logischerweise auch keine Heilkraft für den Menschen haben. Und natürlich rät die Heilpraktikerin, nicht zu viel zu ernten: Niemals sollten Sammler ganze Pflanzen nehmen oder alles abernten. Zum Artenschutz müssen immer genug Pflanzen stehenbleiben, um sich regenerieren zu können. Auch Pflanzen, die der Kräutersammler nicht kennt, sollte er stehen lassen: Es gibt zwar nicht viele Kräuter, die giftig sind, aber wer sich unsicher ist, verwendet diese Pflanzen dann ohnehin nicht; dann lieber gleich in der Natur lassen.


Engelwurz: Das Gewächs sollte man nicht mit dem Riesen-Bärenklau oder dem Schierling verwechseln. Nur die Wurzel der Pflanze wird verwendet. Er hilft vor allem gegen Magenbeschwerden. Nur alle zwei Jahre blüht der Engelwurz.  Foto: Winderl

Gesammelte Pflanzen können dann auf unterschiedlichste Weise verwendet werden: als Frisch- oder Trockenpflanzen verzehrt, in Form von Tee, in Salaten oder Soßen, in Marmeladen und vielem mehr, oder aber auch geräuchert. Das Räuchern von Kräutern funktioniere eigentlich genauso wie der Weihrauch in der Kirche, erklärt Hahn. Zusätzlich zur Einnahme kann man so die Wirkstoffe der Wildpflanzen auch von außen aufnehmen. Je nachdem, welche Kräuter dabei geräuchert werden, können verschiedene körperliche oder seelische Beschwerden behandelt werden.


Holunder: Er gilt als „Allheilmittel“ und jeder Hof hatte früher einen Holunderstrauch als „Hofapotheke“ angepflanzt. Er stärkt das Immunsystem, wirkt husten- und schleimlösend und die Beeren enthalten viele Vitamine, müssen aber gekocht werden.  Foto: Winderl

Auch Energien können so ausgeräuchert werden. Die Kräuter werden dabei auf eine Art Sieb gelegt, unter dem ein Teelicht brennt. Die Kräuter verglimmen dann langsam, ähnlich wie ätherische Öle. Auch mit spezieller Räucherkohle kann gearbeitet werden. Direkt angezündet werden Kräuter zum Räuchern normalerweise nicht. Je nachdem, worunter der Mensch leidet, sollte er sich die richtige Pflanze zum Räuchern aussuchen: Das Berufkraut zum Beispiel soll gegen böse Anfeindungen, zum Beispiel vom Nachbarn, helfen. „Wir haben aber ganz nette Nachbarn“, sagte eine Kräuterwanderin mit Blick auf das Berufkraut in ihrem Kräuterstrauß, nachdem Sonja Hahn die Gruppe über die Pflanze aufgeklärt hatte. Sie habe das Berufkraut nur gepflückt, weil es schön aussehe.

Weitere Wanderung im Herbst


Rainfarn: Die Pflanze ist ein wichtiger Bestandteil bei Räucherungen gegen Unwetter. Zudem stärkt er die Nerven und die Abwehr. Vorsicht ist allerdings geboten, denn die Pflanze hat eine leicht giftige Wirkung, Schwangere müssen aufpassen.  Foto: Winderl

Geräucherter Engelwurz dagegen wirke stimmungsaufhellend und verbreite eine wärmende und schützende Energie. „Eine große Lichtbringerin“ nennt Hahn den Engelwurz. Johanniskraut wiederum kann Spannungen, sowohl bei Streitigkeiten als auch vor Gewittern, neutralisieren.

Doch nicht nur übers Räuchern, auch über den Verzehr von Wildpflanzen informierte die Heilpraktikerin, die seit fünf Jahren eine Praxis führt und klassische Naturheilkunde und europäische Kräuterheilkunde anwendet. „Vor 100 Jahren hat der Mensch noch rund 450 verschiedene Pflanzenarten zu sich genommen“, erklärt Sonja Hahn. Heutzutage seien es noch etwa 30, bei Menschen, die sich besonders bewusst ernähren, vielleicht 50. „Wir können viel mehr verwenden und essen, als wir denken“, meint Hahn. Und auch der Organismus sei ausgehungert nach dieser Vielfalt. Im Herbst wird Sonja Hahn wieder eine Kräuterwanderung anbieten, die sich mit zahlreichen saisonalen Heil- und Räucherpflanzen sowie deren Brauchtum und Mythologie beschäftigt. Termin dafür ist am 14. September. Eine Anmeldung ist erforderlich.
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